Umschuldung - Kredite umschulden
Von einer Umschuldung spricht man, wenn ein bestehendes Darlehen durch die Neuaufnahme eines weiteren Darlehens abgelöst wird. Eine solche Umschuldung ist vor allem dann sinnvoll, wenn das neue Darlehen deutlich günstigere Zinssätze bietet oder wenn hiermit mehrere verschiedene Darlehen zusammengefasst werden können.
Die Umschuldung ist sowohl bei der eigenen Hausbank wie auch bei einer anderen Bank möglich. Hier lohnt ein Zinsvergleich, denn die Kreditzinsen können sich bei den verschiedenen Banken stark voneinander unterscheiden.
Zinsvorteile durch eine Umschuldung sichern
Eine Umschuldung bestehender Kredite kann verschiedene Vorteile mit sich bringen. In erster Linie wird eine Umschuldung angestrebt, um eine bestehende hohe Zinsbelastung zu reduzieren und ein Darlehen mit günstigeren Zinsen zu finden. Oftmals kann die Zinsbelastung um mehrere Prozentpunkte reduziert werden, was dann zu einer Einsparung von einigen hundert Euro, gerechnet auf die Gesamtlaufzeit, führen kann.
Ratenreduzierung durch Umschuldung
Im Rahmen einer Umschuldung ist es zusätzlich möglich, eine bestehende hohe Ratenbelastung zu reduzieren. So ist es zum einen möglich, mehrere kleinere Kredite zu einem größeren Kredit zusammenzufassen und so die monatlichen Raten zu verringern. Ebenso bieten viele Banken Kreditlaufzeiten von bis zu 120 Monaten, so dass durch die Verlängerung der Laufzeit ebenfalls niedrigere Monatsraten anfallen.
Bei beiden Varianten kann die Haushaltskasse entlastet werden, was zu mehr Bewegungsfreiheit im Alltag führt. Auch zusätzliche Ausgaben wie etwa ein Urlaub können so finanziert werden.
Welche Kredite umgeschuldet werden können
Grundsätzlich ist es möglich, alle Kredite umzuschulden. Allerdings muss bei einigen Darlehen eine Kündigungsfrist beachtet werden. Wer ohne vorherige Kündigung umschuldet, muss unter Umständen zusätzliche Kosten und Gebühren in Form einer Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank überweisen.
Umschuldung von Dispositions- und Rahmenkrediten
Dispositions- und Rahmenkredite sind beliebte Kredite in Deutschland. Bei beiden Kreditvarianten wird dem Kreditnehmer ein Überziehungsrahmen eingerichtet, der individuell genutzt werden kann. Diese Flexibilität lassen sich die Banken allerdings in Form hoher Zinsen bezahlen, die zudem variabel vereinbart werden (in der Regel über 10% p.a.). Bei steigenden Zinsen besteht daher das Risiko, dass die Zinsen angehoben werden, wodurch die Kreditbelastung steigt.
Eine Umschuldung von Dispositions- und Rahmenkrediten ist jederzeit ohne Einhaltung von Kündigungsfristen möglich. Die Ablösung erfolgt einfach durch Überweisung des Geldbetrages an das jeweilige Kreditinstitut.
Umschuldung von Ratenkrediten
Auch Ratenkredite können auf Wunsch bequem umgeschuldet werden. Viele dieser Kredite weisen allerdings eine Kündigungsfrist von drei Monaten auf. Da die Gebühren bei vorzeitiger Rückzahlung allerdings meist gering sind, kann die Ablösung auf Wunsch auch ohne Kündigungsfrist erfolgen.
Da die Zinsen bei Ratenkrediten im Voraus berechnet werden, erfolgt mit Ablösung der Kredite natürlich eine Zinsverrechnung. Auch die Kosten der Restschuldversicherung werden für die noch verbleibende Darlehenszeit erstattet.
Umschuldung von Baufinanzierungsdarlehen
Bei der Umschuldung von Baufinanzierungsdarlehen müssen im Unterschied zu den beiden genannten Darlehensvarianten einige Besonderheiten beachtet werden. Eine Kündigung ist hier während der Zinsbindungsfrist in der Regel nicht möglich. Erst nach Ablauf der Zinsbindung kann das Darlehen ohne weitere Kündigung zurückgezahlt werden. Bei sehr langfristiger Zinsbindung hingegen ist eine Kündigung nach Ablauf von zehn Jahren nach Darlehensvollauszahlung möglich, die Kündigungsfrist beträgt in diesem Fall allerdings noch immer sechs Monate.
Wann eine Umschuldung Sinn macht
Eine Umschuldung ist immer dann sinnvoll, wenn das allgemeine Zinsniveau, welches die Grundlage für die Zinsfestlegung der Banken ist, gesunken ist. Auch dann, wenn die Ratenbelastung stark reduziert werden kann und so neue finanzielle Bewegungsfreiheit verspricht, kann sich eine Umschuldung lohnen. Vor allem bei teuren Dispositions- oder Rahmenkrediten kann eine solche Umschuldung sinnvoll sein, auch bei Ratenkrediten und Baufinanzierungen kann sich diese durchaus lohnen.
Neben der Zinsersparnis sollten dabei allerdings auch eventuelle Kosten berücksichtigt werden, die bei der Neuaufnahme eines Darlehens anfallen können. Hierzu gehören unter anderem die Kosten für die Bearbeitungsgebühren, aber auch die Kosten für die Übertragung von Sicherheiten sollten berücksichtigt werden.
Voraussetzungen einer Umschuldung
Um eine Umschuldung vornehmen zu können, müssen einige Voraussetzungen gegeben sein. Die wichtigste Voraussetzung ist natürlich, dass eine entsprechend hohe Bonität vorhanden ist, um einen neuen Kredit zu günstigen Konditionen aufnehmen zu können. Von den niedrigen Werbezinsen der Banken sollten sich Kreditnehmer dabei nicht blenden lassen, denn diese können nach Einreichung der Kreditunterlagen häufig noch steigen. Lediglich bonitätsunabhängige Kredite bieten einen Festzins für alle Darlehensnehmer.
Beachtung der Kündigungsfristen
Zusätzlich ist es notwendig, die jeweiligen Kündigungsfristen der Darlehen zu beachten, denn oftmals ist eine sofortige Rückzahlung nicht möglich. Dispositions- und Rahmenkredite können jederzeit zurückgezahlt werden, denn deren Zinssatz ist variabel. Kündigungsfristen bestehen hier nicht.
Bei Ratenkrediten hingegen müssen Kreditnehmer in der Regel eine Kündigungsfrist von drei Monaten beachten. Die bisherige Regelung, dass eine Rückzahlung in den ersten sechs Monaten nach Darlehensaufnahme nicht möglich ist, wurde mit den neuen Verbraucherkreditrichtlinien im Juni 2010 gestrichen.
Wer auf die Kündigungsfrist verzichtet, muss zwar oft eine kleine Vorfälligkeitsgebühr entrichten, diese kann sich allerdings lohnen, wenn das neue Darlehen deutlich niedrigere Zinssätze bietet.
Kündigungsfristen bei Hypothekendarlehen
Hypotheken- und Baufinanzierungsdarlehen hingegen weisen sehr lange Kündigungsfristen auf, da deren Zinsen oft 10-15 Jahre fest vereinbart werden. Innerhalb dieser Kündigungsfrist schließen die Banken vorzeitige Rückzahlungen in der Regel aus.
Ausnahmen machen die Banken nur dann, wenn Kreditnehmer bei einer vorzeitigen Darlehensrückzahlung eine Vorfälligkeitsgebühr entrichten und so den Verdienstausfall der Bank ersetzen. Diese Vorfälligkeitsentschädigung kann aber durchaus sehr hoch ausfallen, so dass die Umschuldung während der Zinsbindung häufig nicht mehr lohnend ist.
Vor- und Nachteile einer Umschuldung
Eine Umschuldung kann sowohl Vorteile wie auch Nachteile mit sich bringen. Zu den Vorteilen gehört natürlich, dass das neue Darlehen niedrigere Zinsen bieten kann. Zudem könnte durch die geringere monatliche Belastung die Finanzierbarkeit langfristig gesichert werden.
Bei Dispositions- und Rahmenkrediten, bei denen in der Regel keine feste monatliche Rate gebucht wird, hat die Umschuldung zudem den Vorteil, dass das Darlehen nach Ablauf der Darlehenslaufzeit komplett getilgt und der Kreditnehmer dann schuldenfrei ist.
Mögliche Nachteile einer Umschuldung
Allerdings können Umschuldungen auch Nachteile mit sich bringen. So müssen Kreditnehmer bei der Neuaufnahme von Darlehen erneut Bearbeitungs- und Vermittlungsgebühren entrichten, zudem muss die Restschuldversicherung, sofern gewünscht, neu abgeschlossen werden. Da sich die Prämie für diese Versicherung in erster Linie am Alter der zu versichernden Person orientiert, könnte diese bei einem Neuabschluss höher ausfallen. Die noch nicht benötigten Beiträge für die Restschuldversicherung hingegen werden rückerstattet.
Letztlich muss auch bei längerfristigen Darlehen beachtet werden, dass bei vorzeitiger Ablösung mitunter Vorfälligkeitsgebühren bezahlt werden müssen, die die Umschuldung wirtschaftlich nicht sinnvoll werden lassen.
Umschuldung des Darlehens
Kreditnehmer, die eine Darlehensumschuldung planen, sollten zuerst prüfen, welcher Kreditbestand noch offen ist, um die tatsächliche Rückzahlungssumme zu ermitteln. Hier können die Darlehensauszüge der Banken helfen, die in der Regel jährlich (meist am Jahresanfang) zugesandt werden. Mit diesen Unterlagen kann dann eine Schuldenübersicht erstellt werden, um die Summe des neuen Darlehens zu ermitteln. Um zu vermeiden, dass wenig später erneut Darlehensbedarf besteht, sollten auch eventuelle spätere Ausgaben (etwa für den Urlaub oder eine anstehende Autoreparatur) berücksichtigt werden.
Prüfung der Wirtschaftlichkeit
Im Anschluss an die Aufstellung der vorhandenen Verbindlichkeiten ist es notwendig, die Zinssätze dieser Darlehen zu überprüfen. So kann ermittelt werden, ob die Umschuldung wirtschaftlich sinnvoll ist, denn idealer Weise sollte die Zinsersparnis die anfallenden Kosten decken.
Allerdings kann eine Umschuldung auch dann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn keine niedrigere Zinsbelastung erreicht wird. Dies kann dann der Fall sein, wenn durch die geringere monatliche Rate die Haushaltskasse entlastet und so die Finanzierung langfristig gesichert wird.
Vergleich der Konditionen
Die Umschuldung von Krediten wird heute von nahezu allen Banken und Sparkassen vor Ort, aber auch von Finanzdienstleistern sowie von Internetbanken angeboten. Die Konditionen der einzelnen Institute unterscheiden sich mitunter sehr erheblich voneinander, weshalb sich ein Vergleich der Konditionen durchaus lohnen kann.
Hierbei sollte man sich nicht ausschließlich auf die im Internet genannten Zinsen verlassen, denn nicht selten handelt es sich hierbei um ab-Zinsen. Besser ist es, einen Darlehensantrag zu stellen und die geforderten Darlehensunterlagen bei mehreren Instituten einzureichen, um ein definitives Angebot zu erhalten. Dieses kann dann mit dem effektiven Jahreszins, der sowohl den Nominalzins wie auch die Bearbeitungsgebühren und weitere Kosten enthält, verglichen werden.
Vorgehensweise bei der Umschuldung
Wurde nach dem Zinsvergleich ein neues Darlehen gefunden, kann der Darlehensantrag bei dieser Bank gestellt werden. Oftmals ist der Antrag direkt über das Internet möglich.
In vielen Fällen bieten die Banken die Umschuldung bestehender Darlehen gleich mit an, so dass dies im Antrag angegeben werden kann. In diesem Fall werden neben dem Darlehensvertrag auch die Aufträge zur Ablösung der Kreditverbindlichkeiten gedruckt. Mit Unterschrift dieses Ablöseauftrages geben Kreditnehmer der neuen Bank das Recht, das Darlehen beim bisherigen Institut abzulösen und auszugleichen. Man selbst muss sich also um nichts kümmern, was den Aufwand für eine Umschuldung sehr gering werden lässt.
Übertragung eventueller Sicherheiten
Sofern für das Alt-Darlehen Sicherheiten gestellt wurden, müssen diese natürlich an die neue Bank übertragen werden, sofern nicht hierauf verzichtet wird. Bei Dispositions- und Rahmenkrediten sind in der Regel keine Sicherheiten vorhanden, auch viele Ratenkredite werden ohne Sicherheiten vergeben. Lediglich dann, wenn die Kredite über eine Autobank vereinbart wurden, musste sicher der Kfz-Brief als Sicherheit hinterlegt werden. Wenn die neue Bank jedoch keine Sicherheiten fordert, kann dieser Kfz-Brief nach Darlehensrückzahlung freigegeben werden.
Bei Baufinanzierungsdarlehen müssen die als Sicherheiten dienenden Grundpfandrechte (Hypothek und Grundschuld) in jedem Fall übertragen werden. Die Kosten hierfür (Notar, Grundbuchamt) müssen die Darlehensnehmer allein übernehmen.
